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Am Burgfelsen, neben dem sogenannten „Pütz“, hängt ein über vier Meter hohes Holzkreuz vor einer Felsspalte. Gelegentlich stehen Fremde auf dem Parkplatz gegenüber dem alten Rathaus, sehen es und fragen schon mal Einheimische nach dem Grund, warum es dort hängt. Selten wird es heute von einem Besucher aus der Nähe betrachtet. Und doch gab es eine Zeit, als zu diesem schlichten Holzkreuz viele Menschen hilfesuchend aufblickten. Es war die Notzeit nach der schrecklichen Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg, denn 1948 wurde es als Zeichen der Erlösung und Hoffnung für den Altar der St. Anna-Kirche geschaffen.
Noch unter dem Eindruck seiner Kriegserlebnisse verlieh der Bildhauer Heinz Hamm dem Gekreuzigten das Antlitz nach der Totenmaske eines gefallenen deutschen Soldaten . So stellt das Kreuz immer noch ein Zeugnis jener Zeit dar, heute vielfach schon verdrängt oder auch vergessen und den jungen Menschen kaum noch bekannt.
In der Zeit seiner Herstellung konnten wir Schüler den Fortgang der Arbeit täglich in unseren Unterrichtspausen beobachten. Denn die Werkstatt von Heinz Hamm, zur Eingliederung der Kriegsversehrten, war eingerichtet in einer der beiden Holzbaracken, die damals auf dem „Hindenburgplatz“ standen, die zweite diente uns Kindern als Schulraum.
Es war eine ganz andere, ernste Zeit, auch für uns Schüler. Damals hatten unsere Schulausflüge Maria Laach und Kloster Himmerod zum Ziel, Wanderungen gingen zum Gerolsteiner Ehrenfriedhof. Mit unserer Klassenlehrerin standen wir am Grab jenes jungen Soldaten, der in unserer St. Joseph-Schule, 1944 ein Notlazarett, in ihren Armen gestorben war. Und so bekam auch der Christus mit dem Antlitz des gefallenen Deutschen für uns eine besondere Bedeutung.
Bei einer späteren Umgestaltung des Altares der Pfarrkirche wurde das Kreuz entfernt und ausgelagert. Unter Pastor Stiren fand es seinen neuen Platz, ganz in der Nähe des früheren Standortes der verschwundenen sogenannten „Kapelle im Tal“.
Es war eine beeindruckende Prozession, die an jenem Palmsonntag dieses Kreuz, getragen von fast einem Dutzend starker Männer von der St. Anna-Kirche zum Burgfelsen begleitete. Hier wurde es aufgestellt. Der Pastor in Amtstracht gestaltete anschließend mit den Gläubigen eine würdige Andacht.
Das Kreuz am Burgfelsen mit dem Antlitz eines deutschen Gefallenen bleibt für uns Gerolsteiner die sichtbare Erinnerung an unsere überstandene schwere Zeit, es ist gleichzeitig aber auch ein Zeichen unserer Hoffnung und Erlösung.